Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum16. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 33.

Mittwoch, 15. April 2020.
Titel für Geschichten
Vorbemerkung: Ich will mich mit den täglichen Texten herausfordern. Einmal gibt es ein Gedicht, ein ander Mal ein Dialog oder eine andere Textform. Heute suche ich einen guten Titel für eine Geschichte (und dahinter mein Kommentar).

Grosse Haus, kleines Haus
(gefällt mir, doch passt leider nicht zur Geschichte)

Der Besuch
(zu langweilig, da fehlt noch etwas und auch ein wenig verbraucht)

Alles anders
(muss da nicht noch mehr kommen, ein Hinweis oder so)

Der Besuch aus der Vergangenheit
(stimmt mit der Geschichte überein, doch etwas zu pathetisch, zu mystisch, zu…)

Der Besuch aus Amerika
(vielleicht, dann ist die Hauptperson definiert und stimmt das so?)

Ich muss weitersuchen. Muss wegkommen von Besuch und so. Vielleicht nehme ich einfach einen Satz aus der Geschichte:

Der zweite Vorname
(gefällt mir, definiert die Hauptperson, macht neugierig, was hat es mit dem zweiten Vornamen zu tun, noch nicht verbraucht wie “der Besuch”)

DatumDatum14. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 32.

Dienstag, 14. April 2020.
Challenge
Der Lehrer meines Ältesten hatte die wirklich orginelle Idee, dass jede Schülerin und jeder Schüler eine Challenge ausdenken soll. Und was macht mein Junge? Er will für sieben Tage jeden Morgen um 06.00 Uhr joggen gehen. Super. Sehr gut. Finde ich auch.
Bis zu dem Moment, als er jemanden brauchte zum Wecken und Mitjoggen.
Und jetzt nicht lachen. Dieser Jemand bin ich. Ja, so wurde es bestimmt. Da ich anscheinend ein Frühaufsteher bin und gerne jogge.
Ich habe zuerst auch gelacht. Ist deine Challenge, habe ich meinem Sohn gesagt. Du willst die Challenge machen, dazu brauchst du mich nicht.
Heute Morgen habe ich nicht mehr gelacht. Um 06.00 Uhr öffne ich die Haustür, eine kalte Bise, Regentropfen noch in der Luft und der 56jährige joggt mit dem 14jährigen. Sehr lustig.

DatumDatum14. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 31.

Ostermontag, 13. April 2020.
Zahlenmystik
Am Freitag, den 13. März 2020 wurde der Lockdown verhängt. Die Quersumme von 2020 ist 4, das wird im Chinesischen als Unglückszahl betrachtet, denn es bedeutet: Tod.
Dem Covid-19 Virus wird dies egal sein.
Übrigens: Beim gestrigen Eintrag habe ich März anstelle von April geschrieben. Auch eine Folge des Kollers.

DatumDatum13. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 30.

Sonntag, 12. März 2020.
Wie äussert sich Lagerkoller?
Bei mir ist es so: Ich ertrage keinen Lärm, will keine Fragen der Kinder hören, es gurkt mich an, zu kochen und abzuwaschen, will alleine sein, die Gesichtsmuskeln sind angespannt, gebe einsilbig Antwort, bin müde, will nicht nach draussen, drinnen will ich nicht sein.
Ja, ich habe Lagerkoller!

DatumDatum11. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 29.

Samstag, 11. April 2020.
Gerade habe ich gesehen, dass ich mit dem Eintrag manchmal ein oder zwei Tage Verspätung habe. Warum? Habe auch ich einen Durchhänger? Fehlt die Motivation? Keine Ideen mehr? Zweifel?
Wenn ich so zurückschaue: Ich habe jeden Tag kurz dokumentiert, habe versucht, Gedichte zu schreiben, Dialoge, so etwas wie Kolumnen. Also, erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Gut so
Und mit Tag 29 nähern wir uns der Monatsgrenze. Auch da: gut durchgehalten.
Wenn ich es bis jetzt geschafft habe, dann halte ich auch noch länger durch. Ein gutes Motto, nicht wahr?

DatumDatum11. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 28.

Karfreitag, 10. April 2020.
Wir erklären beim Morgenessen, dass wir heute gemeinsam mit dem Velo eine Tour machen. Der Ältere schneidet eine Grimasse, als müsste er Fenchel essen. Sicher nicht, er komme nicht mit, wie Touristen durch die Gegend fahren, ob wir noch ganz bei Trost seien. Das war die Zusammenfassung seines viertelstündlichen Vortrages. Wir sagten nichts.
Ich pumpte die Velos, wir packten die Rucksäcke und schafften es, gemeinsam loszufahren. Der Weg führte dem Rhein entlang bis zum Zusammenfluss des Hinterrheins und des Vorderrheins, es wurde eine gemütliche Velofahrt, wir picknickten, wir lachten, wir warfen Holz in den Rhein, um zu schauen, wie die Strömung es mitschleppt, versuchten in der Steigung einen Spurt und am Abend waren alle zufrieden zuhause.

DatumDatum11. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 27.

Donnerstag, 9. April 2020.
Krisensitzung. Der Jüngere kommt abends nach 20.00 Uhr und ich soll noch seine Lösungen fotografieren und der Lehrerin zuschicken. Der Ältere hat heute morgen seinen schulischen Input verpasst. Sprich: Beim Morgenessen sind wir den Tagesplan durchgegangen. Neun Uhr Videokonferenz mit Input und er vergisst es.
Larifari hat sich in unserem Haushalt breitgemacht. So nach dem Motto: Zuerst das Vergnügen und nachher ja nicht arbeiten.
Die Stimmung ist düster wie die Abenddämmerung und grau wie der Morgen. Wie kommen wir da wieder raus?

DatumDatum9. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 26.

Mittwoch, 8. April 2020.
Schon 26 Tage, ich habe mich ein paar Mal vertippt. Muss immer nachschauen, welcher Tag es wirklich ist. Heute sind es 26 Tage. Tatsächlich. 26 Tage.
Wie ist das im Roman: Der Graf von Monte Christo. Dort macht er Striche an der Gefängnismauer.
Und bei Robinson Crusoe: Da schnitzt er die Tage in einen Baumstamm.
Und wir?

DatumDatum8. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 25.

Dienstag, 7. April 2020.
Supermond. Wir radeln zum Kletterfelsen. Um neun Uhr abends sollte er aufgehen. Der Supermond. Wir werfen uns einen Ball zu, um die Zeit zu vertreiben. Unser Jüngster klettert auf einen Baum. Langsam sehe ich den Ball nicht mehr. Wir setzen uns ins Gras. Wir könnten doch hier übernachten, meint der Jüngste. Im nachtblauen Himmel flitzen Fledermäuse umher. Vögel pfeifen, Autos brausen vorbei, der Zug mit tausend hellerleuchteten Fenster schwirrt durch die Nacht. Wie Kirchenfenster.
Wir warten.
Meine Frau fragt, was wir in den Frühlingsferien denn so machen wollen.
Beim Zelten bleiben wir hängen. Ich überlege, wo das Zelt ist und wo es denn ideal wäre zum Übernachten.
Da ruft der Jüngste: Der Mond. Und tatsächlich, zuerst nur ein Strich, der erstaunlich schnell grösser wird, ich komme mir vor, wie im Cockpit eines Raumschiffes, wir steuern auf den Mond zu, immer heller wird es, wir sehen unsere Schatten, die Felswand leuchtet, ich stehe auf, komme mir vor wie am Steuer eines Dreimasters, wir fliegen dem Mond entgegen.

DatumDatum8. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 24.

Montag, 6. April 2020.
Frühlingsmüdigkeit.
Falle am Mittag ins Bett.
Schlafe, wie wenn mir jemand auf den Kopf gehauen hätte.
Als ich aufwache, ist es später Nachmittag.
Bin verwirrt, weiss nicht wo, weiss nicht was.
Meine Arme sind tonnenschwer.
Die Beine wie die Holzstämme, die draussen lagern und auf den Abtransport warten.
Wie soll ich mich so auch nur bewegen.
Atmen. Aus. Ein. Fest ausatmen. Leicht einatmen. Muskeln anspannen.
Fäuste machen. Loslassen.
Irgendwann stehe ich.