Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum16. April 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 34.

Donnerstag, 16. April 2020.
Schlimmer Tag
Das Erste, was ich morgens mache, ist die Kaffeemaschine starten. Sie gurrt und seufzt ein Weilchen, dann rinnt so etwas wie Abwaschwasser in das Gläschen, das darunter steht. Dann erst stelle ich die Kaffeetasse darunter und jetzt kann der Tag beginnen.
Heute, wie immer, Kaffeemaschine. Ich habe etwas Durst.
Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Merke: nie etwas am Routineablauf ändern, es kommt nicht gut.
Also nehme ich ein Glas und fülle es mit Wasser. Da die Kaffeemaschine läuft, stelle ich das Glas auf die Abdeckung und hole die Milch aus dem Kühlschrank – und leere Milch in das Glas Wasser.
Irgendwie merke ich, dass etwas falsch läuft. Zuerst den Kaffee, dann werde ich wach. Und drücke den Knopf. Ein wunderbarer Duft erfüllt die Küche, erdfarbene Flüssigkeit gurgelt aus den beiden Röhrchen – direkt ins Abwaschwassergläschen.
So beginnt der heutige Tag: Milchwasser im Glas, Kaffeeabwaschwasser auch im Glas.
Es wird nicht besser. Ich nehme die Zeitung. Es kommt ja jetzt der Blick in alle Haushaltungen. Da lese ich: Wir sind versaut. Und es werden Menschen mit und ohne Masken gezeigt. Versaut? denke ich. Was haben diese Leute denn gemacht. Und unten steht: Der Roboter haut drauf. Ich denke an Terminator und so. Und klug wie ich bin: Der Roboter hat die Leute verhauen, darum sind sie versaut. Dann kommt noch: Susi, hilf! und im Text ist von Cosma die Rede. Ich kenne nur eine Cosma, die Tochter von Punklady Nina Hagen. Und die ist sehr schön, oder war es. Hat auch der Roboter? Doch es müsste doch etwas von Corona auf der Titelseite sein: Corona, hilf! Sonst kommt der Roboter?
Ich bin verwirrt und trinke. Der Kaffee schmeckt sonderbar und das Wasser ist auch nicht mehr frisch. Nachdem ich dann die Augen gerieben habe, haben sich die Schlagzeilen verändert:
Wir sind bereit
Der Roboter hats drauf (und wo ist das Apostroph, lieber Blick?)
Büsi, hilf!

Jetzt muss der Tagesanzeiger her. Da steht:
Hundert Millionen Faxen bis Ende Mai – so lautet der Auftrag der Armee
Ich schau nochmals hin. Hundert Millionen Masken natürlich. Jetzt aber konzentrieren.
Trumps Baracke für die WHO ist vor allem innenpolitisch motiviert
Schenkt Trump der WHO eine Baracke? Als Dank für die guten Ratschläge?
Unten steht dann noch: Alain Berset dreht durch in der Krise
Ich muss den Kaffee wegleeren, auch mir dreht sich der Magen, mir ist schwindlig und ich sehe den Trump und den Berset miteinander in einer Baracke tanzen. Jeder will führen, so schleppen sie sich über das Parkett und ein Roboter klatscht den Takt dazu.
Ich gehe wieder schlafen.