Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum15. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 2

Sonntag, 15. März 2020. Der erste Kaffee schmeckt richtig gut. Und alles ist ruhig. Ich bin der erste, der wach ist. Ich weiss, bald tappt der Jüngste die Treppe herunter, dann meine Frau und lange danach, so irgendwann gegen Mittag der Älteste. Wir wollen nach Arosa. Eine Wanderung im Schnee. Ein magerer Ersatz für einen Skitag. Der Virus ist noch nicht bei mir angekommen. Draussen scheint die Sonne, die Spaziergänger wie immer, ein paar Autos. Es ist ein Sonntag wie jeden Sonntag. Die Internetseiten schreiben etwas anderes: Über zweitausend Infizierte, Dunkelziffer ungleich höher und steigend. Habe ich das Gefühl, immun zu sein?
Und als wir losfahren, sind wir alleine auf der Strecke nach Arosa. Dann und wann ein Auto mit einem Nummernschild aus Zürich oder Deutschland. In Arosa selber einige Leute, die auf das Postauto warten. Spaziergänger. Allesamt garantiert in der Risikogruppe. Ist der Virus wirklich da?
Die Skipisten sind leer, nur einige Spaziergänger auf den Winterwanderwegen. Ich frage mich, wie lange noch?
Es ist warm, ich ziehe die Jacke aus. Wir machen eine Pause. Was mir auffällt, alle grüssen oder wechseln ein paar Worte. Auch auf der Prätschlialp: Man darf zu den Leuten sitzen und sofort gibt es nur ein Thema. Die Sonne brennt, die Jungs und ich kämpfen zum Spass im Schnee. Was ich noch nicht weiss: Am Abend kann ich kaum mehr die Arme bewegen und die Oberschenkel schmerzen.
Auf dem Rückweg nehmen wir die Abkürzung durch den Wald, wir tauchen ab im tiefen Schnee, ich rufe: Ohne Risiko keine Freude! Wir rennen bis der eine hüfttief im Schnee steckenbleibt und ich kopfüber. Schnee überall. Das Virus nirgends. Auch nicht auf der Alp Meran, es gibt zwei riesige Meringue mit Rahm und Vanilleglace, Schümlipflümli und alles ist weit weg: Die Schliessung der Schulen, die Absagen für die Schnupperlehren, die Restauranteinschränkungen, alles. Wie lange noch?