Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum24. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 11.

Dienstag, 24. März 2020.

Homeoffice: So wie es wirklich ist.
Heute bin ich dran. Meine Frau muss arbeiten und ist weg. Homeoffice. Habe mir einen Plan gemacht:
08.00 Uhr: Mails beantworten
08.30 Uhr: Protokoll fertig stellen
und so weiter.
Den Kindern habe ich gezeigt, wie man einen solchen Arbeitsplan erstellt. Der Jüngere schaut mich mit offenem Mund an, der Ältere schüttelt nur den Kopf: Sicher nicht, ob ich nicht ganz dicht sei, sie hätten keinen Auftrag erhalten, ich könne machen, was ich wolle, aber so einen Plan brauchen sie nicht.
Nun ja, ich räume meine Kaffeetasse weg und sage nur: Ich muss heute von Zuhause aus arbeiten. Bin im Gästezimmer. Stört bitte nicht.
Ich telefoniere, da öffnet sich die Türe. Der Jüngere steht da. Ich lege die Hand über das Telefon und zische: Was willst du?
Darf ich die Mails anschauen?
Ja, natürlich. Und jetzt lass mich telefonieren.
Kaum ist das Telefonat fertig und ich will ein paar Stichworte notieren, kommt wieder der Jüngere: Kannst du mir helfen? Die Lehrerin hat etwas geschickt.
Okay, denke ich, geht sicher nicht lange.
Eine halbe Stunde später funktioniert alles. Das heisst, ein Arbeitsplan leuchtet ins Gesicht des Jüngeren. Er arbeitet diesen für die Woche aus, wie zum Beispiel:
08.00 bis 08.45 Uhr: Mathematik: Arbeitsblatt 17 a fertig lösen.
und so weiter.
Ich sage nichts dazu.
Auf meinem Arbeitsplan steht: Mails beantworten. Doch der PC ist besetzt.
Also, das zweite Telefonat, doch vorher muss ich schauen, was der Ältere macht. Mit Kopfhörer beugt er sich über den Laptop. Dort ist tatsächlich ein Arbeitsblatt zu sehen, etwas über Geschichte. Er schaut auf. Ich frage, alles ok? Er nickt und zeigt auf ein Heft. Lerntagebuch, sagt er. Da steht:
08.00 Uhr: Deutsch: Verben in verschiedene Zeitformen setzen (AB 17)
09.00 Uhr: Geschichte: Industrialisierung
etc.
Ein Arbeitsplan, sehr gut, sage ich. Doch der Ältere hört mich nicht. Kopfhörer halt.
Jetzt muss ich aber zuerst die Küche fertig aufräumen und schauen, ob ich alles für das Mittagessen da habe. Das Telefonat muss warten. Der Jüngere will noch wissen, wie er das Matheblatt bearbeiten kann und wieder zurückschicken. Der Ältere will etwas ausdrucken. Ein Foto von einer handgezeichneten Lösungsmöglichkeit muss ich noch machen und verschicken. Ja, jetzt das dringende Telefonat und mitten im Gespräch, läutet es an der Haustüre. Die Post. Der Jüngere fragt, ob ich kurz helfen könne. Ich muss beginnen, Gemüse zu rüsten. Der Ältere ruft, dass ich den Toner auswechseln soll, sonst könne er nicht arbeiten und kaum bin ich beim Drucker, höre ich das Wasser sprudeln. Der Jüngere will mir den Klassenchat am PC zeigen. Ich bin in der Küche, nur etwas Schnelles kochen, gleichzeitig am Telefon.
Endlich sind wir am Tisch, 12 Uhr 30, und da fragt der Ältere: Und. Alles stabil bei dir. Was hast du denn heute so im Homeoffice gemacht?
Ich lege die Gabel auf die Seite, muss einen Moment überlegen und wenn ich ganz genau sein will: Drei Telefonate!