Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum15. April 2016 KategorieKategorieAllgemein

Eine Räubergeschichte

Da treffe ich eine Bekannte in der Stadt. Wir kommen ins Plaudern, trinken einen Kaffee zusammen und da ich sie nicht so gut kenne, frage ich, was sie denn früher beruflich gemacht habe. Sie sei bei der Post gewesen, antwortet sie, am Schalter. Das sei sicher interessant gewesen, die vielen Leute und so, bemerke ich. Da lacht sie und ich schaue sie fragend an. Sie nimmt einen Schluck und sagt: “Einmal wurde ich sogar überfallen.”
Die folgende Geschichte hat sich so oder ähnlich zugetragen: Es war an einem Freitag und es habe unglaublich viele Leute gehabt. Damals gab es das ganze Ticketsystem noch nicht, man hat sich noch in eine Reihe gestellt. Auch hat man mit dem gelben Postbüchlein die Einzahlungen gemacht und es lag jeweils viel Geld in den Kassen. Nachdem der grösste Ansturm vorüber war, stellte sich ein junger Mann an den Schalter, sehr nervös und er hielt ihr einen Zettel hin. Sie solle alles Geld herausgeben, das sei ein Überfall.
Sie war damals noch in der Lehre und obwohl es vorgeschriebene Vorgehensweisen in so einem Falle gab, fiel sie in ein Blackout, konnte nicht mehr klar denken. Auch war es ein anstrengender Tag gewesen und jetzt auch noch dieser Mann. So blickte sie nur kurz auf und mit dem ganzen Frust des Tages in der Stimme schnauzte sie den Mann an: “Stellen Sie sich gefälligst hinten an!” Der Mann habe sie irritiert angeschaut, habe den Zettel genommen und sei durch die Tür hinausgerannt und weg.

Ich lache laut auf, die Köpfe im Café drehen sich alle zu uns hin und jedes Mal, wenn ich sie sehe, denke ich an diese Geschichte. Stell mir vor, wie sie ärgerlich  die Lippen aufeinander presst und zischt: Stellen sie sich hinten an.