Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum20. Oktober 2014 KategorieKategorieAllgemein

Die letzten Tage im Herbst

Zu meinen Füssen breitet sich das Tal aus. Wie ein Teppich in einem Spielzimmer: Ein Fluss, tiefblau; Ackerflächen, grüngelb, bereit zum Ernten; Felsen, die aus dem Boden wachsen; Strassen wie Schnüre; Häuser, verstreut.

Ich schreite durch das nasse Grass, die Sonne steht noch nicht hoch. Durch die offene Tür der Hütte höre ich das Wasser kochen, gleich werde ich einen Nescafe trinken, dazu das harte Brot von Vorgestern, es hat noch Käse auf dem Fenstersims und Salsiz.

Heute zersäge ich die letzte Tannen, Holz hacken, die Sense versorgen, um die Hütte herum aufräumen, alles abschliessen.

Im Radio haben sie schlechtes Wetter angesagt, diesmal stimmt es sogar, das merke ich am leichten Luft, der mich frieren macht und an den Schleierwolken am Himmel. Schnee bis 800 m, kalt werde es und der Winter künde sich an.

Ich setze mich mit dem Rücken an die Holzwand und schliesse die Augen. Tief atme ich ein, es riecht nach frisch aufgewühlter Erde, nach Holz in der Sonne, ich habe Zeit, kein Computer wartet, eine Uhr habe ich nicht, auch kein Handy oder eine Agenda. Es ist der letzte Tag hier oben. Morgen, morgen bin ich wieder unten im Tal und morgen ist alles wieder anders.