Gion Caviezel

Gion Caviezel

DatumDatum31. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 18.

Dienstag, 31. März 2020:

Ein Ziel der Quarantäne ist erreicht. Auf der Webseite: https://zukunftschreiben.org habe ich eine Geschichte eingereicht:

Eine Zukunftsgeschichte

Es freut ich sehr, wenn ihr reinschaut und – ihr dürft auf das Herz klicken.

DatumDatum31. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 17.

Montag, 30. März. 2020.
Im Gang bei uns hängt ein Bild. Es ist ein Scherenschnitt und hing jahrelang im Treppenhaus im Haus meiner Eltern. Ich habe es als Junge oft angeschaut. Es ist nicht ganz so gross wie ein A4 Blatt im Querformat. Der schwarze fingerdicke Rahmen lässt an eine Trauerkarte denken. Das Passepartout war einmal weiss, jetzt erinnert es an eine alte Fotografie. Im Hintergrund sind Sträucher und Bäume zu sehen, ein herrschaftliches Haus. Die Äste beugen sich im Wind und verdecken den Hof leicht. Im Vordergrund geht ein junger Bursche in diesem Sturm spazieren, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, den Kopf leicht geneigt, in Gedanken versunken. Schwalben spielen im Wind. Ein hoher Baum thront über dem Mann. Um die Schrift zu lesen, berührt meine Nasenspitze fast das Glas. Der Titel des Bildes lautet:
Beethoven im Gewittersturm.

 

DatumDatum30. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 16.

Sonntag, 29. März 2020.

Heute haben wir einen TV-Nachmittag gemacht. Und auf dem Programm stand:

Back to the future

Kennt ihr den Film? Aus dem Jahr 1985! Und ich bin sicher: Alle kennen den Film. Den muss man kennen. Ja, ja, ich weiss, nicht alle sind so Filmfans und oftmals schrecken auch die Worte: Future, Science Fiction etc. etwas ab.

Also: Auch ich habe den Film nach Jahren wieder mit dem Jungs angeschaut. Und tatsächlich, sogar der Ältere, mitten im turbulenten Alter, war fasziniert und hat gelacht. Ihm haben die Sprüche gefallen und meinem Jüngsten die Szene, wo Marty Gitarre spielt auf der Bühne und fast verschwindet und wieder aufsteht und ein Solo hinlegt, das heute ein Oldie ist: Johnny B. Goode.

Und ich? Ich war hin und weg. Und noch mehr gefreut hat mich: Meine Kinder werden ihren Kindern erzählen, dass sogar ihr Grossvater, also ich, auf diesen Film abgefahren bin. So bleiben Geschichten ewig.

DatumDatum29. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 15.

Samstag, 28. März 2020.

Jeder Samstag ist gleich. Egal ob es stürmt oder schneit. Und erst recht bei schönem Wetter.
Ich bin als erster wach, immer um 06.00 Uhr. Manchmal ein paar Minuten früher, manchmal später. Ein Kaffee, die Zeitung holen, das Tagi-Magi mit der Kolumne von Max Küng. Meistens höre ich jetzt eine Tür gehen, jemand tapst die Treppe herunter, der jüngste schlurft vorbei.
Nach dem Morgenessen putzen wir, jeden Samstag. Heute übernehmen die beiden Jungs das Staubsaugen, meine Frau putzt die Fenster und ich Bad und WC. Warum nur bin ich nach dem Putzen so kaputt?
Der Nachmittag schleicht so dahin, ein kurzer Spaziergang, ein wenig lesen, TV und dann schlafen. Irgendwie bin ich nicht zufrieden mit heute.

DatumDatum28. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 14.

Freitag, 27.März 2020.

Heute telefonierte ich mit einem Freund. Wir sprachen natürlich über das eine und einzige Thema. Und die Frage war: Wie lange noch?
Ja, wie lange denn noch. Ich schaue im Kalender nach: Sicher noch drei Wochen. Und das ist die optimistischste Prognose. Die realistische Prognose lautet neun Wochen. Die anderen Prognosen wollen wir nicht wissen! Und wenn ich den Titel anschaue: Tag 14, dann muss ich mich auf eine lange Zeit einstellen.
Also, was tun? Wie überstehen wir die Zeit, ohne verrückt oder komisch zu werden?
Ich mache mir einen Plan und schreibe ihn auf. Am letzten Tag der Quarantäne nehme ich ihn hervor und will überall ein Häkchen sehen. Ich habe gerne Druck und Abgabetermine! Darum ja auch dieses Onlinetagebuch! Beginne ich doch am besten gleich damit:

1. Täglich kurz etwas ins Online-Tagebuch schreiben!

2. Eine Kurzgeschichte schreiben, wie sich die Welt zum Guten ändert.

3. Mit dieser Kurzgeschichte an einem Schreibwettbewerb teilnehmen.

4. Drei Mal die Woche mindestens eine Stunde draussen sein, es darf auch spazieren sein!

5. Pro Woche einen Ordner aufräumen.

6. Pro Woche einen Raum entrümpeln.

7. Jede Woche etwas selber backen oder kochen.

DatumDatum26. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 13.

Donnerstag, 26. März 2020.

Heute bin ich meine Lieblingsstrecke gejoggt: Ganz langsam zum Dorf hinaus, über die flache Wiese, an den Obstbäumen vorbei, rechts das Windrad, eine kleine Steigung und dann durch das Auenwäldchen. Jetzt die Felswand, nur ein Fussweg, höchstens einen halben Meter breit, links geht es eine glatte Felswand hoch, rechts unten fliesst der Rhein, er schiebt sich an der Felswand entlang, grau ist er heute der Rhein, mit weissen Wellenkämmen.

Kein Mensch weit und breit. Alles leer. Bin allein auf der Welt.

 

DatumDatum25. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 12.

Mittwoch, 25. März 2020.

Langsam gewöhne ich mich an die Quarantäne:
Schlagzeilen rund um Covid-19, leere Strassen, Abstand bei Begegnungen, leere Zugwagen, kein Kondukteur, viele Telefonate, alles geschlossen.
Apropos: Heute hatte ich nichts für das Mittagessen dabei, in Gedanken noch irgendetwas von der Arbeit. Ich will ins Sportzentrum, etwas essen. Geschlossen. Ich denke: Zwischensaison halt. Dann also in die Pizzeria, die hat immer offen. Und erst als ich wieder auf dem Weg war, einige Schritte gelaufen, wurde mir klar, dass ich heute nirgends etwas essen werde.
Idiot, sage ich zu mir selber!

DatumDatum24. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 11.

Dienstag, 24. März 2020.

Homeoffice: So wie es wirklich ist.
Heute bin ich dran. Meine Frau muss arbeiten und ist weg. Homeoffice. Habe mir einen Plan gemacht:
08.00 Uhr: Mails beantworten
08.30 Uhr: Protokoll fertig stellen
und so weiter.
Den Kindern habe ich gezeigt, wie man einen solchen Arbeitsplan erstellt. Der Jüngere schaut mich mit offenem Mund an, der Ältere schüttelt nur den Kopf: Sicher nicht, ob ich nicht ganz dicht sei, sie hätten keinen Auftrag erhalten, ich könne machen, was ich wolle, aber so einen Plan brauchen sie nicht.
Nun ja, ich räume meine Kaffeetasse weg und sage nur: Ich muss heute von Zuhause aus arbeiten. Bin im Gästezimmer. Stört bitte nicht.
Ich telefoniere, da öffnet sich die Türe. Der Jüngere steht da. Ich lege die Hand über das Telefon und zische: Was willst du?
Darf ich die Mails anschauen?
Ja, natürlich. Und jetzt lass mich telefonieren.
Kaum ist das Telefonat fertig und ich will ein paar Stichworte notieren, kommt wieder der Jüngere: Kannst du mir helfen? Die Lehrerin hat etwas geschickt.
Okay, denke ich, geht sicher nicht lange.
Eine halbe Stunde später funktioniert alles. Das heisst, ein Arbeitsplan leuchtet ins Gesicht des Jüngeren. Er arbeitet diesen für die Woche aus, wie zum Beispiel:
08.00 bis 08.45 Uhr: Mathematik: Arbeitsblatt 17 a fertig lösen.
und so weiter.
Ich sage nichts dazu.
Auf meinem Arbeitsplan steht: Mails beantworten. Doch der PC ist besetzt.
Also, das zweite Telefonat, doch vorher muss ich schauen, was der Ältere macht. Mit Kopfhörer beugt er sich über den Laptop. Dort ist tatsächlich ein Arbeitsblatt zu sehen, etwas über Geschichte. Er schaut auf. Ich frage, alles ok? Er nickt und zeigt auf ein Heft. Lerntagebuch, sagt er. Da steht:
08.00 Uhr: Deutsch: Verben in verschiedene Zeitformen setzen (AB 17)
09.00 Uhr: Geschichte: Industrialisierung
etc.
Ein Arbeitsplan, sehr gut, sage ich. Doch der Ältere hört mich nicht. Kopfhörer halt.
Jetzt muss ich aber zuerst die Küche fertig aufräumen und schauen, ob ich alles für das Mittagessen da habe. Das Telefonat muss warten. Der Jüngere will noch wissen, wie er das Matheblatt bearbeiten kann und wieder zurückschicken. Der Ältere will etwas ausdrucken. Ein Foto von einer handgezeichneten Lösungsmöglichkeit muss ich noch machen und verschicken. Ja, jetzt das dringende Telefonat und mitten im Gespräch, läutet es an der Haustüre. Die Post. Der Jüngere fragt, ob ich kurz helfen könne. Ich muss beginnen, Gemüse zu rüsten. Der Ältere ruft, dass ich den Toner auswechseln soll, sonst könne er nicht arbeiten und kaum bin ich beim Drucker, höre ich das Wasser sprudeln. Der Jüngere will mir den Klassenchat am PC zeigen. Ich bin in der Küche, nur etwas Schnelles kochen, gleichzeitig am Telefon.
Endlich sind wir am Tisch, 12 Uhr 30, und da fragt der Ältere: Und. Alles stabil bei dir. Was hast du denn heute so im Homeoffice gemacht?
Ich lege die Gabel auf die Seite, muss einen Moment überlegen und wenn ich ganz genau sein will: Drei Telefonate!

 

DatumDatum23. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 10.

Montag, 23. März 2020.
Für heute haben wir alle einen Tagesplan erstellt. Unsere beiden Söhne haben von der Schule die verschiedenen Aufträge erhalten und jetzt sitzen sie an ihren Pulten und vor dem Computer. Manchmal schaue ich darauf. Der Jüngere erstellt gerade den Wochenplan auf dem PC, der Ältere hat Zoom installiert und nun halt Unterricht per Zoom.

Und ich? Ich hänge am Telefon, frage nach, ob alles läuft, wie es geht und ob noch Unterstützung notwendig ist. Die ganze Umstellung auf Home-Learning klappt. Sogar Sport machen wir: Dauerlauf und Kraft.
Wenn es nicht so seltsam wäre, der Virus da draussen und wir daheim, es wäre sehr entspannt!

DatumDatum22. März 2020 KategorieKategorieAllgemein

In Quarantäne. Tag 9.

Sonntag, 22. März 2020.
Wie funktioniert die Wirtschaft? In diesen Zeiten sind die Wirtschaftsschlagzeiten nicht zu übersehen. Bald alle sind in irgendeiner Weise betroffen. Nun, darum die Frage: Wie funktioniert die Wirtschaft?

Ein guter Freund und in seiner Laufbahn mehrmals CFO und CEO in verschiedenen Firmen hat es mir erklärt:
Schau, es ist ganz einfach. Stell dir vor, du stehst mit Tausenden von Leuten vor dem Stadium, wo in einer halben Stunde das entscheidende Meisterschaftsspiel angepfiffen wird. Es ist schönes Wetter angesagt, ein Vorsommerabend mit milden Temperaturen. Da zieht eine schwarze Wolkenwand vorüber und ein Platzregen geht nieder. Was machst du? Du kaufst eine dieser durchsichtigen Regenpelerinen. Leider hat es nur einen Stand, wo man diese kaufen kann. Du denkst, 10 Franken, ein wenig teuer, doch mit Tausend anderen kaufst du dieses Plastikding.
Angebot und Nachfrage. So einfach ist das. Der Verkäufer hat ein paar Rappen für diese Pelerinen bezahlt und macht innerhalb kurzer Zeit das Geschäft seines Lebens. Und jetzt kannst du das auf alles übertragen. Du musst dich nur fragen, was braucht der Mensch? Und wenn er es nicht braucht, dann gibt es ganz viele Wünsche: Ich will schöner sein, will zeigen, dass ich mehr habe oder dass ich ein besserer Mensch bin.
Angebot und Nachfrage: Jetzt hast du vielleicht in Aktien investiert. Das bedeutet nichts anderes, als dass du in Firmen investiert hast. Also: welche Firmen braucht es in nächster Zeit?